„Ledige“ Mütter, ihre Kinder und die Praxis der Amtsvormundschaft in Niederösterreich (1945–1989): Ergebnisse und Erfahrungen aus einem Lehrforschungsprojekt
Abstract
Im vorliegenden Beitrag werden die Ergebnisse und Erfahrungen einer zweisemestrigen Bachelorprojektwerkstatt diskutiert, die im Studienjahr 2023/24 an der FH St. Pölten (Studiengang Soziale Arbeit) durchgeführt wurde. Im Rahmen der Projektwerkstatt setzten sich Studierende mit der Geschichte der niederösterreichischen Kinder- und Jugendfürsorge in der frühen Zweiten Republik aus interdisziplinärer und geschlechtergeschichtlicher Perspektive auseinander. Der Fokus lag auf dem Umgang der Fürsorge mit „ledigen“ Müttern und ihren Kindern vor dem Hintergrund der gesetzlich vorgeschriebenen Amtsvormundschaft. Der vorliegende Beitrag gibt einen kurzen Überblick zum historischen Kontext, um dann die Umsetzung der Projektwerkstätte sowie zentrale Ergebnisse anhand ausgewählter Arbeiten der Studierenden vorzustellen. Anschließend werden die Vorteile einer interdisziplinären Aufarbeitung der eigenen Professionsgeschichte reflektiert und deren positive Auswirkungen sowie deren mögliches Potenzial für die Ausbildung zukünftiger Sozialarbeiter:innen diskutiert. Schlussendlich beleuchtet der Beitrag, wie das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession von historischer Aufarbeitung unerforschter Geschichte/n profitiert.
Schlagwörter:
Professionsgeschichte, ledige Mütter, Amtsvormundschaft, Niederösterreich, Zweite Republik, Kinder- und Jugendfürsorge, Sozialarbeitsausbildung, Bachelorprojektwerkstatt
Autor/innen-Biografie
Anne Unterwurzacher
Ist seit März 2019 als Senior Researcher am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung in St. Pölten beschäftigt; seit 2016 Leitung des Forschungsverbundes Migration im Rahmen des Forschungsnetzwerkes Interdisziplinäre Regionalstudien (first). Arbeitsschwerpunkte sind u.a.: Lagerunterbringung im Rahmen von Zwangsmigration, interdisziplinäre Migrationsforschung, Geschichte der niederösterreichischen Kinder- und Jugendhilfe. Zahlreiche Forschungsprojekte in der soziologischen und historischen Migrationsforschung.
Nadjeschda Stoffers
Hat Geschichte und Germanistik in Wien studiert und ist derzeit Universitätsassistentin an der Universität Graz. Seit 2021 ist sie zudem wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, 2023/24 war sie als Lektorin an der FH St. Pölten tätig. Nadjeschda Stoffers ist Mitglied des Forschungsnetzwerks first, stellvertretende Obfrau des Vereins fernetzt und Mitglied des Arbeitskreises Kindheitsgeschichte. In ihrer Dissertation forscht sie aktuell zur Geschichte der „Napola“ Traiskirchen.